Engineering Plastics GmbH
Unterm Ohmberg 1
34431 Marsberg
Deutschland
Bruch- / Fingernagel- / Haptik-Prüfung
Physikalische Prüfung - Spezifische Dichte
Ein unbekannter Kunststoff kann durch relativ einfache Mittel und Methoden bestimmt werden. Die Prüfungen erfordern lediglich etwas Übung, ein gutes Auge und eine unbestechliche Nase.
Rohstoff-Beimischungen (Additive, Füllstoffe, Compounds) erschweren allerdings diese einfachen Bestimmungsmethoden, sodass hier nur eine Laboruntersuchung Sicherheit geben kann.
Dies sind die wichtigsten Erkennungsmethoden:
Die Struktur der Kunststoffe beeinflusst ihre Lichtdurchlässigkeit.
| Visueller Eindruck | Struktur | Kunststoff | |
| durchsichtig | amorph |
PPE, PPSU, PEI, PSU, PC
| |
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milchig, trübe und opak |
teilkristallin |
POM, PET, PA 6 E, PA 6 Guss, PA 6.6, PA 12, PVDF, PPS, PEEK, PE-HD, PE-UHMW, PP-H, PP-HT | |
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Diese visuellen Unterscheidungsmerkmale haben selbstverständlich nur für ungefärbte Kunststoffe Gültigkeit.
Tabelle: Zusammenfassung Erkennungsmerkmale
Bruch-Probe:
Das Bruchbild eignet sich hervorragend zur Bestimmung von Thermoplasten.
| Bruchbild | Kunststoff | |
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kein Bruch |
POM, PA, PE, PP, PC | |
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Weißbruch |
PPE | |
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Sprödbruch |
PET |
Fingernagel-Probe:
Lässt sich der Kunststoff mit dem Fingernagel einritzen, handelt es sich um PE oder PP (PE ist weicher als PP).
Haptik-Probe:
Fühlt sich der Kunststoff wachsartig an, handelt es sich um PP, PE oder PTFE.
Eine glatte Oberfläche mit guten Gleiteigenschaften zeichnet PE, PA und PP aus.
Tabelle: Zusammenfassung Erkennungsmerkmale
Kunststoffe mit einer Dichte < 1g/cm³ schwimmen auf Wasser, wie z.B. PE und PP. Alle anderen nicht gefüllten (reinen) Kunststoffe haben eine Dichte > 1g/cm³.
Folgende Tabelle beschreibt Lösungen zur Ermittlung der spezifischen Dichte von Kunststoffen:
|
Lösung: Zusammensetzung in Vol. % |
ermittelte Dichte [g/cm³] | |
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52 % Ethanol + 48 % dest. Wasser |
0,91 | |
|
37 % Ethanol + 63 % dest. Wasser |
0,94 | |
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100 % destilliertes Wasser |
1,00 | |
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44 % Glyzerin + 56 % dest. Wasser |
1,10 | |
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93 % Glyzerin + 7 % dest. Wasser |
1,20 | |
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27 % Ätznatron + 73 % Wasser |
1,30 | |
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37 % Ätznatron + 63 % Wasser |
1,40 |
Anhand der ermittelten Dichte kann das Material einer der nachfolgenden fünf Gruppen zugeordnet werden:
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ermittelte Dichte [g/cm³] |
Kunststoff | |
|
0,9 - 1,0 |
PE, PP | |
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1,0 - 1,2 |
ABS, PA, PC, PPE | |
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1,2 - 1,5 |
POM, PET, PPS, PEEK | |
|
1,5 - 1,8 |
PVDF | |
|
> 1,8 |
PTFE |
Tabelle: Zusammenfassung Erkennungsmerkmale
Kunststoffe unterscheiden sich in ihrer Reaktion auf chemische Lösungsmittel.
Polyamide zeigen z.B. eine differenzierende Reaktion auf Ameisensäure.
| Polyamid-Typ | Reaktion | |
| PA 6 | löslich in 70 %iger Ameisensäure | |
| PA 6.6 | löslich in 80-90 %iger Ameisensäure | |
| PA 12 |
nicht löslich in Ameisensäure. Unterscheidung nur durch Schmelzpunktbestimmung |
Unterscheidung von Kunststoffen mit verschiedenen Lösungsmitteln
Die Lösungsgeschwindigkeit wird durch Oberflächenstruktur, Temperatur und Diffusion beeinflusst.
| Polymer | Lösungsmittel | Nichtlöser | |
| POM |
Benzylalkohol*, Dimenthylformamid*, Butyrolacton* |
Methanol, Dietylether | |
| PA |
Ameisensäure, m-Kresol, konzentrierte Schwefelsäure |
Methanol, Kohlenwasserstoff | |
| PE, PP |
p-Xylol*, Trichlorbenzol* |
Aceton, niedere Alkohole | |
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* oft nur bei höheren Temperaturen löslich |
Tabelle: Zusammenfassung Erkennungsmerkmale
Die Brenn- und Geruchsprobe ist die am häufigsten durchgeführte Erkennungsmethode, da sich mit ihr ein großer Teil der Kunststoffe bestimmen lässt. Die Brennprobe erfolgt durch direktes Anzünden der Probe mit einer Flamme. Das Aussehen der Flamme, das Verhalten des Kunststoffs und der Geruch der Schwaden geben Auskunft über den Probekörper.
Unter Aussehen der Flamme ist die Färbung des brennenden Kunststoffs zu verstehen. Die überwiegende Färbung ist gelblich mit Nuancierungen des Flammenrands, z.B. bläulich wie bei PE und PP. Aber auch eine bläuliche Flamme wie z.B. bei PA oder eine gelbrote Färbung sind zu erkennen.
Beim Verhalten der Kunststoffe während der Brennprobe kann man folgende Unterschiede feststellen: Einige Kunststoffe brennen und tropfen, die Tropfen brennen weiter (PE, PP). Andere Kunststoffe brennen und tropfen - diese Tropfen brennen aber nicht weiter; PA bildet Blasen und knistert; einige Kunststoffe verlöschen außerhalb der Flamme.
Am Geruch der Schwaden bzw. des Rauches lassen sich Bestandteile des Kunststoffs und damit der Kunststoff selbst erkennen.
Folgende Teilschritte und/oder Fragestellungen ergeben wichtige Hinweise:
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Teilschritt |
Fragestellung zur Beurteilung des Brenn- und Flammverhaltens | |
| Probe in der Flamme |
Brennt die Flamme weiter? Bilden sich Blasen? Tropft die Probe? Knistert oder sprüht die Probe beim Brennen? Welche Farbe hat die Flamme? Rußt die Flamme? | |
| Probe außerhalb der Flamme |
Knistert oder sprüht die Probe beim Brennen? Welche Farbe hat die Flamme? Rußt die Flamme? | |
| Probe ist verlöscht |
Geruchsprobe (den Rauch vorsichtig umfächeln, nicht direkt einatmen) |
Die Tabelle zeigt eine Zusammenfassung der eindeutigen Erkennungsmerkmale durch Brenn- und Geruchsprobe:
| Kunststoff | Brennverhalten | Geruchsentwicklung | |
| POM |
bläuliche Flamme, tropft brennend |
Geruch nach Formaldehyd | |
| PET |
leuchtende Flamme, knisternd, rußt, tropfend |
süßlich, kratzender Geruch | |
| PA |
blaue Flamme mit gelblichem Rand, bildet Blasen, knistert, tropft fadenziehend |
Geruch nach verbranntem Horn | |
| PVDF |
leuchtende Flamme, rußt stark |
stechender Geruch | |
| PE-HD |
helle Flamme mit blauem Kern, Tropfen brennen, Dämpfe kaum sichtbar |
paraffinartiger Geruch | |
| PP |
helle Flamme mit blauem Kern, Tropfen brennen, Dämpfe kaum sichtbar |
paraffinartiger Geruch | |
| PC | gelbe Flamme, rußt | Geruch nach Phenol | |
| ABS | gelbe Flamme, rußt stark | Geruch nach Leuchtgas |
Tabelle: Zusammenfassung Erkennungsmerkmale